01.10.2022
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EM Kasposvar: U18-Titel für Bela Lehnen – Silber für Junior-Team Oldenburg, das Duo Gallrein/Moldenhauer und Lily Warren, Bronze für Paula Waskowiak und Arne Heers

Kaposvár/HUN (fn-press). Sechs Medaillen für die deutschen Voltigierer um Junioren-Bundestrainer Kai Vorberg bei den 13. Junioren-Europameisterschaften im ungarischen Kaposvár. Gold sicherte sich dabei der Kölner Bela Lehnen aus Moers mit Formel 1 D.C. und Longenführerin Alexandra Knauf. Silber ging an das Juniorteam Oldenburg, Frances Nandy Moldenhauer (Rengerslage) und Finn Gallrein (Bernau) im Pas-de-Deux sowie Lily Warren (Oldenburg) im Einzel der Damen. Über die Bronzemedaille freuten sich Paula Waskowiak (Kirchlengern) und Arne Heers (Dörverden).

Es war bereits die zweite Goldmedaille für das deutsche Team an diesem Wochenende. Nachdem Alice Layher (Brackenheim) am Vortrag zur allerersten U21-Europameisterin in der Geschichte des Voltigiersports gekürt wurde, legte heute ein männlicher Voltigierer nach: Bela Lehnen vom VV Köln-Dünnwald krönte seine zweite Championatsteilnahme mit einer fantastischen ersten Medaille. Nachdem es im Vorjahr bei der WM im französischen Le Mans „nur“ für Platz vier gereicht hatte, trumpfte der 17-Jährige mit seinem zwölfjährigen Rheinländer-Wallach Formel 1 D.C. und Longenführerin Alexandra Knauf im Hauptort des Komitats Somogy nun glänzend auf. Bereits mit der Pflicht hatte sich Lehnen auf die Spitzenposition geturnt. Es folgte anschließend zunächst die drittbeste Kürleistung. Am Finaltag kassierte der Rheinländer mit seiner Wolfs-Kür schließlich 8,401 Punkte, was ebenfalls der drittbesten Wertung des Tages entsprach. In der Gesamtwertung blieb er jedoch in Führung und sicherte sich mit gesamt 8,237 Punkten den kontinentalen Titel. Damit trat er in die Fußstapfen eines anderen Deutschen: Gregor Klehe vom VV Ingelsberg hatte 2018 bei der letztmalig ausgetragenen U18-EM Gold gewonnen – ebenfalls in Kaposvár.

Dicht hinter Lehnen landete der Österreicher Paul Ruttkovsky auf dem Silberrang. Der 17-jährige Niederösterreicher vom URC Wildegg hatte die erste Kür gewonnen und legte heute mit der zweitbesten Darbietung nach (8,46). Insgesamt kam der Vertreter der rot-weiß-roten Flagge damit auf 8,203 Zähler. Den Tagessieg sicherte sich ein anderer Deutscher: Arne Heers aus Dörverden war der Mann des Tages und glänzte mit der besten Kür, wofür er 8,461 Punkte erhielt. Damit beendete der 16-Jährige von der Reit- und Fahrschule Oldenburg sein erstes Individual-Championat auf dem Bronzerang. Der Pas-de-Deux-Juniorenweltmeister von 2021 war mit Platz sieben in der Pflicht in das Turnier gestartet. Dank seiner beiden herausragenden Küren konnte sich Heers schließlich noch mit seinem zwölfjährigen Oldenburger Wallach Cleiner Onkel T und Longenführer Sven Henze an der Konkurrenz vorbeischieben. Am Ende stand der Vertreter vom Landesverband Weser-Ems bei 8,099 Punkten und verwies somit den Slowaken Andrej Menhert (7,911) sowie den Franzosen Baptiste Terrier (7,689) auf die weiteren Ränge.

Silber und Bronze für deutsche Einzelvoltigiererinnen
Ebenfalls zwei Medaillen konnten die deutschen Damen erringen. Hier hieß es am Ende des Turniers Silber und Bronze für die Equipe von Kai Vorberg. Dabei hatte sich im Laufe des Championats ein spannender Wettkampf entwickelt. Als strahlende Siegerin ging einmal mehr die Österreicherin Anna Weidenauer hervor. Damit holte die 17-jährige Niederösterreicherin bereits ihre zweite Championats-Goldmedaille. Im Vorjahr hatte sie bei der WM in Le Mans triumphiert. Nun folgte der Sieg in Kaposvár. Die junge Frau vom Erfolgsverein URC Wildegg gewann in Ungarn alle drei Durchgänge und stand schließlich mit einer Gesamtwertung von 8.546 mit ihrem Pferd Chivas und Longenführerin Maria Lehrmann deutlich an der Spitze der internationalen Konkurrenz.

Auf Platz zwei schloss Lily Warren ihre erste EM im Einzel ab. Die Pas-de-Deux-Weltmeisterin aus dem Vorjahr war dabei bereits mit einem vielversprechenden dritten Platz in der Pflicht in das Turnier gestartet. Mit dem 17-jährigen Holsteiner-Wallach Capitano und Longenführer Sven Henze ließen die Weser-Emser dann die zweitbeste Kür folgen. Am Finaltag schaffte es die 17-Jährige schließlich mit der drittbesten Tageswertung (8.702) auf den Silberrang. Das Endergebnis der Oldenburgerin lautete: 8.384.

Für eine kleine Überraschung und eine fantastische Aufholjagd sorgte Paula Waskowiak aus Kirchlengern. Dei 18-jährige Westfälin war mit ihrem elfjährigen Hannoveraner-Wallach Djaibolo und Longenführerin Tabea Struck eigentlich nur mit Rang acht in der Pflicht gestartet. Mit ihren Küren schob sich die junge Frau vom VV Volmerdingsen dann jedoch eindrucksvoll nach vorne und durfte schließlich mit einem Finalscore von 8,324 die Bronzemedaille in Empfang nehmen. Damit stand also auch die diesjährige Preis-der-Besten-Siegerin auf dem Podest in Kaposvár. Für die ehrgeizige Athletin, die im Vorjahr aufgrund eines notgedrungenen Pferdewechsels bei der WM in Le Mans auf Rang acht gelandet war, war dies ein hervorragender Abschluss ihrer Junioren-Laufbahn.

Frances Nandy Moldenhauer, die dritte deutsche Dame, beendete die EM mit ihrem zehnjährigen Deutschen Sportpferd Morpheus und Longenführerin Marion Schulze auf Platz acht (7.621). Vor dem Finale hatte die Sachsen-Anhaltinerin auf Platz fünf gelegen. Aufgrund eines Sturzes landete Moldenhauer dann jedoch in der Tageswertung nur auf Platz 14 (7,479) und fiel deutlich zurück. EM-Titelverteidigerin war im Übrigen eine Deutsche: Fabienne Nitkowski aus dem Rheinland hatte 2018 in Kaposvár triumphiert.

Das Duo Moldenhauer/Gallrein gewinnt Silber
Die erste Entscheidung des Wettkampftages war im Pas-de-Deux gefallen. Hier hatten sich Frances Nandy Moldenhauer und Finn Gallrein mit ihrem 17-jährigen Oldenburger-Wallach Longinus und Longenführerin Andrea Harwardt bereits nach dem ersten Umlauf in eine aussichtsreiche Position gebracht. Das schwarz-rot-goldene Gespann – in diesem Jahr im Übrigen die einzige Vertretung des deutschen Bundesadlers in dieser Kategorie – war nach einer sauberen Darbietung am Freitag mit einer Wertung von 7,757 Punkten und Rang zwei belohnt worden. Entsprechend liefen die beiden 16-Jährigen als vorletztes Duo in den Wettkampfzirkel des Pferdesportzentrums Pannon Lovasakadémia in Kaposvár ein. Am Ende hielten die Nerven der jungen Frau aus Rengerslage sowie ihres Partners aus Bernau/Berlin-Brandenburg. Das Quartett vom Reitverein Integration aus Bernau vernahm unter tosendem Jubel der zahlreich mitgereisten Fans die Wertung für die finale Kür: 8,552. Das machte in der Endabrechnung 8,234 Zähler, womit sie die bis dato in Führung gelegenen Österreicherinnen Katharina Feldhofer und Anja Huber (7,949) übertrumpften. Lediglich die neuen Europameister waren bei diesem kontinentalen Junioren-Championat noch eine Klasse besser. Anna Weidenauer und Paul Ruttkovsky vom URC Wildegg turnten laut des Richtergremiums in einer anderen Liga. Nach 8,351 Punkten im ersten Durchgang gab es am Finaltag eine herausragende Benotung von 9,038 – das war auch in der Summe mit 8,763 Punkten der klare Sieg und die Goldmedaille. Damit krönten sich die Athleten aus der Alpenrepublik einen Tag vor dem 18. Geburtstag von Ruttkovsky zu den neuen Europa-Champions. Im vergangen Jahr hatten sie bereits Silber im Rahmen der U18-Weltmeisterschaft im französischen Le Mans gewonnen. Der Sieg ging da an Lily Warren und Arne Heers vom Landesverband Weser-Ems – die waren in Kaposvár allerdings nicht im Pas-de-Deux am Start, weil sie in dieser Saison der Gruppe und dem Einzel Priorität gaben. Bronze ging ebenfalls nach Österreich: Katharina Feldhofer und Anja Huber beendeten das Championat mit Boccaccio D und Longenführerin Stefanie Kowald bei 7.949 Punkten.

Silber fürs Junior-Team Oldenburg  
Eine kleine Niederlage musste die deutsche Equipe bei den Teams einstecken. Hier war die Gruppe des Juniorteams Oldenburg als Favorit und letzter Teilnehmer in den Zirkel eingelaufen, nachdem sie sowohl die Pflicht (6,891) als auch die erste Kür (8,469) gewonnen hatten. Auch am Finaltag liefen die ersten Minuten der Darbietung zunächst hervorragend und nahezu fehlerfrei. Im abschließenden Kürblock unterlief der Gruppe um Longenführer Sven Henze dann jedoch kurz vor dem Ende ein Fehler, der zum Sturz führte. Damit kassierten die Norddeutschen mit ihrem zwölfjährigen Oldenburger Wallach Cleiner Onkel T hohe Abzüge. Die Finalwertung lautete: 8,001 Punkte. Damit verpassten die amtierenden Deutschen Meister die Titelverteidigung (2018 hatte in Kaposvár das Team Nordheim triumphiert) nur hauchdünn. Denn die Schweizer Equipe aus dem Tösstal beendete das Turnier mit 8,007 Punkten – und damit lediglich sechs Tausendstel Vorsprung. Die Gruppe um Longenführerin Corinne Bosshard konnte mit Kairo S die finale Kür für sich entscheiden und damit auch Gold einsammeln. Damit sicherten die Voltigierer aus dem Kanton Zürich nach 2016 bereits das zweite EM-Gold bei den Juniorteams für die Schweiz.

Bronze ging an die Österreicher von der VG Pill. Die Tirolerinnen um Longenführerin Nicole Voithofer voltigierten mit ihrem 18-jährigen Hannoveraner-Wallach Don Zeno zu gesamt 7.477 Punkten.

In der EM-Statistik führt Deutschland mit sieben EM-Siegen noch immer deutlich vor Österreich, die das U18-Championat vier Mal für sich entscheiden konnten. Die Schweiz folgt nun mit zwei Titeln.

Im diesjährigen Medaillenspiegel beenden Deutschland und Österreich das U18/U21-Turnier mit der gleichen Bilanz: Jeweils zwei Mal Gold, drei Mal Silber und drei Mal Bronze. Frankreich und die Schweiz sicherten sich jeweils eine Goldmedaille. FN/Daniel Kaiser 

Das sagt Bundestrainer Kai Vorberg zur EM:

„Das Pas de Deux hat zwei blitzsaubere Runden geturnt und sich damit zu Recht belohnt. Die Silbermedaille ist auch deshalb besonders schön, weil es die erste für Finn Gallrein und Frances Moldenhauer ist.“

„Das Team Oldenburg hat insgesamt eine starke Leistung gezeigt, wenngleich es auch mit einem dicken Patzer ganz zum Schluss nur für eine Silbermedaille gereicht hat. Der Umstand, dass es dennoch sehr knapp war, zeigt aber die große Qualität von Pferd, Mannschaft und Longenführer. Deshalb können sie auch erhobenen Hauptes diese Silbermedaille entgegennehmen.“

„Für Arne Heers begann der Wettkampf etwas holprig, daher ist es umso schöner, dass er die letzte Runde für sich entscheiden konnte und sich damit noch auf den Bronze-Rang geturnt hat.“

„Bela Lehnen hat sich diesen Titel und die Goldmedaille hart erarbeitet. Seine Leistung war nicht immer einfach, da besonders in der Vorbereitung von der letzten Kür einige Unsicherheiten auf dem Vorbereitungszirkel auftraten. In welcher Art und Weise er diese im Wettkampfzirkel wieder weggeturnt hat, war besonders beeindruckend.
Nach seinem vierten Rang im letzten Jahr war diese Goldmedaille für ihn jetzt ein riesen Schritt nach vorne in seiner sportlichen Entwicklung.“

„Für Frances Moldenhauer hat es mir Leid getan, dass sie heute das Ende ihrer Kür nicht in gewohnter Sicherheit zeigen konnte. Dennoch war sie die einzige Dame, die einen Flick-Flack auf dem Pferd sicher geturnt hat. Das lässt für die Zukunft viel hoffen.“

„Paula Waskowiak hat sich langsam Schritt für Schritt nach vorne gearbeitet und im Finale ihre Bestleistung gezeigt. Daher ist sie zu Recht zum Abschluss auf dem Bronze-Rang.”

„Lily Warren hat drei beeindruckende Runden geturnt und sich besonders über die letzte Kür ihre Silbermedaille verdient. Über den Schock des Vormittags mit dem Sturz in der Gruppe, haben Lily und Arne es geschafft sich über ihre Einzelküren mit dem Wettkampftag zu versöhnen.“

„Auch wenn einige der jugendlichen Voltigierer teils mit ihren Leistungen nicht immer zufrieden waren, so kann man glaube ich doch sagen, dass die Gesamtbilanz von zwei Gold-, drei Silber- und drei Bronzemedaillen sich sehen lassen kann. Es wird nicht einfacher. Die Leistungsdichte wird international immer höher und viele andere Nationen haben aufgeschlossen. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an, dürfen aber dieses Jahr mit der Medaillenausbeute sicher zufrieden sein.“

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